Mit Ehrlichkeit beginnt die Heilung

Familiengeheimnisse können krank machen

Familiengeheimnisse drehen sich häufig um die Themen Adoption, uneheliche Kinder, Alkohol-/Drogenmissbrauch, psychische Erkrankungen oder auch sexueller Missbrauch. Hinter solchen Geheimnissen steht keine böse Absicht, sie entstehen zum einen aus der Intension heraus jemanden schützen zu wollen oder auch aus Scham oder Hilflosigkeit. Um unser Gesicht zu wahren werden Themen verheimlicht, verschwiegen, es werden Wege gesucht alles unter Kontrolle zu haben, das heißt der Mensch ist immer auf der Hut, im Anspannungszustand, um nur ja nicht überrumpelt zu werden oder etwas von dem Geheimnis preis zu geben. Und das ist für alle Beteiligten anstrengend, für den Betroffenen sowie auch für den „Hüter des Geheimnisses“. Um diesen Zustand aufrecht zu erhalten sind eine ganze Menge weitere Geheimnisse notwendig, Geheimnisse, um das Geheimnis zu verstecken und Lügen, um die Lügen zu decken. Das Geheimnis wird verdrängt, wirkt aber im Hintergrund weiter und taucht erstmal ab wie unter eine Eisdecke, aber es verschwindet nicht, sobald dieses Eis brüchig wird, kommt alles wieder hoch.

Im Inneren spüren wir, dass etwas nicht stimmt, Kinder sind hier sehr feinfühlig, auch wenn ihnen nichts erzählt wird, spüre sie sehr schnell, wenn etwas „nicht Stimmt“, haben oft das Gefühl mit ihnen stimmt etwas nicht „sie sind falsch“. Das Gefühl der Verbundenheit fehlt und der Betroffene fühlt sich auf unerklärliche Weise beschämt. Werden Geheimnisse nicht ausgesprochen fühlt sich der Betroffene emotional zurückgestoßen, das führt häufig zu größeren Problemen als die Wahrheit.

Wenn zum Beispiel ein Kind, das adoptiert worden ist, spürt, dass es anders ist, und es fragt, und bekommt nicht die Wahrheit gesagt, dann kann es passieren, dass das Kind diese Gefühle generalisiert. Es fühlt sich dann schnell ausgeschlossen und nicht zugehörig. Durch diese Gefühle sind wir dann oft nicht wir selbst, wir setzen eine „Maske“ auf und entwickeln ein falsches Selbst. Hierdurch wird der Mensch in der Entwicklung seiner Individualität behindert, da er immer das Gefühl hat „etwas stimmt nicht mit mir“ und passt sein Verhalten dementsprechend an, um zu gefallen, geliebt zu werden und nicht aufzufallen. Meist kommt es hier dann zu unerklärlichen körperlichen Symptome, aber auch häufig zu Depressionen & Panikattacken, da die negativen Gefühle, die mit dem Familiengeheimnis zusammenhängen über Jahre oder gar Jahrzehnte verdrängt werden.

Ich habe auch keine Ahnung wie man das richtig macht. Wichtig ist, das Geheimnis zuallererst mit dem Menschen, den es betrifft in Ruhe zu besprechen. Und es auch ertragen und auffangen, dass er wütend werden kann oder verletzt ist. Und es lohnt sich diesen Schritt, so schmerzhaft er anfangs auch sein kann, zu tun.

Kritische Ereignisse sind nicht an und für sich kritisch – letztlich ist es unsere Bewertung.